Für die alte Rheinbrücke ist das letzte Stündlein angebrochen. 56 Jahre nach ihrer Einweihung und zwei Tage nach der Öffnung ihrer Nachfolgerin begann gestern ihr Abriss. Von Zaungästen weitgehend unbemerkt, was sich aber ändern dürfte. Denn bereits heute soll sich das Teilstück, das weiteren Bauarbeiten am Weseler Ufer im Wege ist, sanft Richtung Boden neigen. Es fällt weich. Gute 200 Tonnen Sand liegen als Ruhekissen bereit.
Sehenswert war gestern schon der Start. So rustikal, wie Michael Grüling (27) von der Firma Beissner aus Varlosen die Brückengeländer mit seinem Bagger abriss, so filigran-ordentlich schichtete er sie anschließend auf. Es ist nicht die erste Brücke, der er zu Leibe rückt. Zuletzt hat die Firma eine über den Main bei Schweinfurt zerlegt. "Wir haben uns darauf spezialisiert", sagt der Mann. Publikum ist er bei der Arbeit gewohnt.
Brücke in der Mitte durchschnitten
Den Geländern folgten die Rad- und Gehwege auf dem 54,25 Meter langen Abschnitt zwischen Böschung und erstem Pfeiler. Dann ging es ans Zerbröseln der Fahrbahn. Stück für Stück und immer vorsichtig im Rückwärtsgang. Die Brücke musste leichter werden. Von unten wird dann das Stahlträgerwerk angegriffen, bis sich der Abschnitt in die Tiefe senkt.
Wie Helmut Reinsch (Straßen NRW) erklärte, wird im neuen Jahr auf ähnliche Weise die Vorlandbrücke auf der linken Rheinseite abgebrochen. Das Konzept zur Demontage der Brücke selbst ist noch in Arbeit. Vermutlich wird sie in der Mitte durchschnitten, Stück für Stück zum Ufer gezogen und dan an Land zerteilt. Denn der Schiffsverkehr soll nicht beeinträchtigt werden. Anschließend werden mit Spundwänden die Pfeiler im Fluss eingekapselt und vom Baggerschiff aus abgebrochen.
Das alles wird in 2010 passieren, während parallel der Anschluss der neuen Brücke am Weseler Ufer zu Ende gebaut wird. Erst dann können bekanntlich auch die beiden südlichen Fahrspuren der neuen Niederrheinbrücke in Betrieb genommen werden. Zur Erinnerung an Wesels Brücken- und Festungsgeschichte soll es eine Landmarke geben. Wer ein Stück des Stahl-Fachwerks integrieren möchte, muss sich nun beeilen (siehe Info).
Ein W aus Stahl
Das Stahl-Fachwerk war Markenzeichen der alten Brücke. Aus ihm lässt sich ein W für Wesel schneiden. Dagmar Ewert-Kruse (Rathaus-Initiative) erinnerte beim Brückenfest an diesen Vorschlag
Quelle: rp-online.de VON FRITZ SCHUBERT








